Herausforderung Hunger 2008

Welthunger-Index

Der Welthunger-Index 2008 (WHI) zeigt, dass die Welt seit 1990 langsame Fortschritte bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit gemacht hat, wobei sich je nach Region und Land erhebliche Unterschiede ergeben. In den fast zwei Jahrzehnten seit 1990 haben einige Regionen - Süd- und Südostasien, Nahost und Nordafrika, Lateinamerika und die Karibik - bedeutende Fortschritte bei der Verbesserung der Ernährungssicherheit erzielt. Dennoch bleibt der WHI im südlichen Asien hoch. In Afrika südlich der Sahara liegt der WHI ähnlich hoch; hier lassen sich seit 1990 kaum Fortschritte verzeichnen.

Das WHI-Niveau auf der ganzen Welt bleibt ernst. Die Länder mit der besorgniserregendsten Hungersituation und den höchsten WHI-Werten für 2008 befinden sich überwiegend in Subsahara-Afrika: die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Burundi, Niger und Sierra Leone führen das untere Ende der Liste an. Einige Dutzend Länder in verschiedenen Regionen haben vergleichbar niedrige WHI-Werte.

Zwischen Hunger und Armut besteht ein enger Zusammenhang, und Länder mit einem hohen Grad an Hunger sind überwiegend Länder mit niedrigem oder niedrigem bis mittlerem Durchschnittseinkommen. Afrika südlich der Sahara und Südasien sind die Regionen mit den höchsten WHI-Werten und den höchsten Armutsquoten.

Der aktuelle Anstieg der Lebensmittelpreise wirkt sich in verschiedenen Ländern sehr uneinheitlich aus und hängt von einer Reihe von Faktoren ab, unter anderem davon, ob Länder Nettoimporteure oder -exporteure von Lebensmitteln sind. Unter den Ländern, für die der WHI ermittelt wurde, übertreffen beispielsweise diejenigen mit einem Nettogetreideimport bei weitem diejenigen mit einem Nettoexport. Das heißt, dass viel mehr Länder, die unter Hunger leiden, unter den hohen Lebensmittelpreisen leiden als von ihnen profitieren. Der Anstieg der Lebensmittelpreise hat außerdem in Dutzenden von Ländern gewaltsame und friedliche Proteste ausgelöst.

Angesichts höherer Lebensmittelpreise sind Aussichten auf eine Verbesserung der Ernährungssicherheit nicht günstig, wenn man bedenkt, dass mindestens bei 800 Millionen Menschen die Ernährungssicherheit bereits vor dieser Nahrungsmittelpreis-Krise nicht gegeben war. Höhere Lebensmittelpreise führen zu Einschnitten im Lebensmittelbudget armer Haushalte, was vor allem für unterernährte Säuglinge und Kinder zu ernsthaften Risiken führt. Hohe Preise reduzieren auch den Umfang an Nahrungsmittelhilfen, die Geberorganisationen mit einer bestimmten Menge an Geldmitteln bereitstellen können.

Der Kampf gegen die Nahrungsmittelkrise wird mehr Nahrungsmittelhilfe für arme Menschen erfordern, aber auch viel höhere Investitionen in die Landwirtschaft, vor allem im Bereich der Kleinbauern; höhere Investitionen in soziale Sicherungsprogramme und soziale Sektoren wie Gesundheit und Bildung; Reformen für die Schaffung eines fairen Welthandelssystems; Veränderungen in der Haltung zu Biokraftstoffen; Maßnahmen zur Beruhigung des weltweiten Lebensmittelmarktes; eine bessere Datenerfassung und eine verbesserte Überwachung der Nahrungsmittel-und Ernährungssituation; und mehr Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen, die sich für arme Menschen in Entwicklungsländern engagieren.

Author: 
von Grebmer, Klaus
Fritschel, Heidi
Nestorova, Bella
Olofinbiyi, Tolulope
Pandya-Lorch, Rajul
Yohannes, Yisehac
Published date: 
2008
Publisher: 
Concern Worldwide
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