Steigende Nahrungsmittelpreise

Was ist zu tun?

Der steile Anstieg der Nahrungsmittelpreise in den letzten beiden Jahren gibt Anlass zu grosser Sorge in Bezug auf die Ernährungssituation der Armen in den Entwicklungsländern, die Inflation und -in einigen Länderndie dadurch ausgelösten Unruhen. Entwicklungs- und Industrieländer müssen zusammenarbeiten, um die globale Krise unter Kontrolle zu bringen und den Armen zu helfen, dass sie mit den gestiegenen Kosten für die verteuerten Lebensmittel zurechtkommen können.

Der Preisindex für Nahrungsmittel, den die Ernährungs-und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) errechnet, stieg im Jahr 2007 um fast 40 Prozent, verglichen mit 9 Prozent in 2006. In den ersten Monaten des Jahres 2008 sind die Preise weiterhin drastisch angestiegen. Dieser Aufwärtstrend schliesst nahezu alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse ein. Seit dem Jahr 2000 -ein Jahr mit niedrigen Preisen- hat sich der Weizenpreis auf dem Weltmarkt bis Anfang 2008 mehr als verdreifacht, und der Preis für Mais mehr als verdoppelt. Der Reispreis schnellte auf eine bisher noch nie da gewesene Höhe. Die Preise für Milchprodukte, Fleisch, Geflügel, Palmöl und Cassava zogen ebenfalls an. Wenn man Inflation und den Fall des Dollars (beispielsweise bei Nennung der Preise in Euros) berücksichtigt, fallen die Preiserhöhungen zwar geringer aus, sind aber immer noch dramatisch. So exorbitanten Preissteigerungen haben oft schwerwiegende Konsequenzen für die Kaufkraft der Armen. Die Preise sind nicht nur stark gestiegen, sondern auch sehr viel volatiler geworden: So ist der Weizenpreis im Mai 2008 wieder auf das Niveau von vor 6 Monaten abgesackt.

Nationale Regierungen und internationale Organisationen ergreifen verschiedene Massnahmen, um allgemein den Einfluss der höheren Weltmarktpreise auf die inländischen Preise zu minimieren und im Speziellen die negativen Auswirkungen auf vulnerable Bevölkerungsruppen zu mildern. Manche dieser Massnahmen werden wahrscheinlich helfen, die Nahrungsmittelpreise zu stabilisieren oder sogar zu reduzieren. Andere Massnahmen wiederum werden einigen Gruppen auf Kosten anderer Gruppen helfen oder die Lebensmittelpreise langfristig volatiler machen und den Handel stark verzerren. Jetzt ist ein effektiveres und stimmiges Vorgehen nötig, um den ärmsten und verletzlichsten Gruppen der Bevölkerung zu helfen. Nur so können die Armen die drastische und unmittelbare Steigerung ihrer Lebensmittelausgaben bewältigen und nur so werden die Landwirte unterstützt, um die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu befriedigen.

Author: 
von Braun, Joachim
Published date: 
2008
Publisher: 
International Food Policy Research Institute ( IFPRI)
Series number: 
1
PDF file: 
application/pdf iconbp001gr.pdf(461.2KB)