Die wirtschaftlichen Ursachen des Arabischen Frühlings

Der Weg von der Revolution zu Transformation und Ernährungssicherheit

Kaum jemand hätte den dramatischen Wandel, der sich in den
letzten Monaten in der arabischen Welt abgespielt hat, für möglich gehalten. Die arabischen Regierungen schienen ihre Länder fest unter Kontrolle zu haben und die wirtschaftlichen Wachstumsraten vieler arabischer Staaten entsprachen oder lagen sogar über dem globalen Durchschnitt. Das jährliche Wirtschaftswachstum in Ägypten, Jordanien, im Libanon, Oman und im Sudan betrug in den Jahren zwischen 2005 und 2010 im Durchschnitt über 6%, in Syrien, Tunesien und Libyen im selben Zeitraum ca. 5%. Darüber hinaus leiden in den meisten arabischen Ländern weniger Menschen unter Armut als in vielen asiatischen oder lateinamerikanischen Staaten.

Jedoch beobachten Experten seit Langem Probleme; so weisen viele arabische Länder nur sehr langsamen Fortschritt im Bereich der wirtschaftlichen Diversifizierung, steigende soziale Ungleichheiten und anhaltende Ernährungsunsicherheit auf. Haben diese Faktoren und – im weiteren Sinne – die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihrem Lebensstandard zu den Aufständen der letzten Monate beigetragen? Auf den ersten Blick scheint es in Anbetracht des plötzlichen Eintretens der Ereignisse und der größtenteils geringen Erfassungsbreite, Zugänglichkeit und Qualität von Daten in der arabischen Welt schwierig, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Indem wir uns jedoch nicht nur auf herkömmliche Informationsquellen konzentriert haben, war es uns möglich, mithilfe des vorliegenden Dossiers einen Einblick in die potentielle Bedeutung wirtschaftlicher Faktoren für die aktuellen Aufstände zu gewähren. Außerdem fassen wir in diesem Bericht die wichtigsten Maßnahmen der Regierungen in den betroffenen arabischen Staaten, die in Reaktion au die Aufstände ergriffen wurden, zusammen. Das Dossier endet mit dem Vorschlag eines neuen Entwicklungsansatzes für die arabische Welt, der von umfassendem, wirtschaftlichen Wandel, Ernährungssicherheit und demokratischen Methoden der Entscheidungsfindung geprägt ist.

Author: 
Breisinger, Clemens
Ecker, Olivier
Al-Riffai, Perrihan
Published date: 
2011
Publisher: 
International Food Policy Research Institute (IFPRI)
Series number: 
18
PDF file: 
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